Durch das Pferd sind wir united, ob man nun „Englisch“ oder „Western“ reitet!
Lehrgang für Trainer B Prüfer im Breitensport und Übungsleiterlizenz-Fortbildung „Westernreiten“ am 8./9.März 2009 in München-Riem
Mit einem reitweisenübergreifenden Seminar des BRFV konnte Frau Brem, die ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt hatte, sich und den rund 30 Teilnehmern einen lange gehegten Wunsch erfüllen und die Prüfer im Breitensport mit den Trainern Westernreiten an einen Tisch einladen.
Der Lehrgang war eine äußerst gelungene Zusammenführung von „Englisch-“ und „Western“-Reitern und konnte die bestehende Kluft dazwischen erheblich schmälern.
Als Referent stellte sich Jörg Bös der Herausforderung und meisterte mit Bravur den Spagat zwischen den beiden, auf den ersten Blick so unterschiedlich wirkenden Pferdewelten. Voller Elan schaffte er es die Teilnehmer auf ihre gemeinsame Basis – das Pferd einzustimmen, indem er neben den ethischen Grundsätzen des Reitsports und die funktionelle Anatomie des Pferdes als Schlüssel und Grundlage jeglicher Reiterei detailliert erläuterte und interessant und gut verständlich vermittelte.
Das Wohle des Pferdes als wichtigstes Ausbildungsziel aller Reitweisen stand dabei für den Ausbilder im Vordergrund. Diesen Grundsatz verfolgte Herr Bös während des theoretischen Unterrichts über Reitausbildung und das Bewerten von breitensportlichen Wettbewerben im Lehrsaal genauso konsequent wie in den anschaulichen Praxisteilen in der Olympiareithalle. Aufbauend auf die Gemeinsamkeiten erarbeiteten die Teilnehmer anhand von Videoaufnahmen und deren Analysen die wichtigsten Inhalte der Richtverfahren.
Integriert in diesen Lehrgang wurde außerdem eine Prüfung für alle teilnehmenden Prüfer Breitensport, die anhand von Bewertungsbögen die Übungsleiter Western und deren mitgebrachten Pferde zu rangieren und zu benoten hatten. Alle teilnehmenden Prüfer sind deshalb befähigt und berechtigt breitensportliche Westernwettbewerbe zu bewerten. Sie werden von nun an auf der Prüferliste des BRFV sowie auf der Liste der EWU geführt und freuen sich auf zahlreiche Einsätze in der kommenden Saison 2009.
Bestanden haben:
Heike Bachhuber, Judith Jepards, Sylvia Stöcklein, Birgit Büchner, Gabriele Monteleone, Dr. Bettina Völkel, Renate Ettl, Mareile von Rochow, Ute Völkl, Monika Hipp, Petra Stegmüller, Petra Hollrotter, Andreas Huth
Auf diesem Wege gratulieren wir allen Prüferkollegen, zur bestandenen Zusatzqualifikation und wünschen zahlreiche Einsätze.
Judith Jepards Sylvia Stöcklein
Kursbericht zur Trainerfortbildung am 7./8. März 2009
Anfang März fand die jährliche Fortbildung für Trainer B Prüfer Breitensport und Übungsleiter Western zur Lizenzverlängerung in München-Riem statt. Als Kursleiter war der bekannte EWU-Richter und Ausbilder Jörg Bös eingeladen. Schwerpunkte waren die Einführung in die funktionelle Anatomie und das Richten von breitensportlichen Westernprüfungen. Der Kurs war sehr gut besucht, über 24 A-, B- und C-Trainer Westernreiten und Prüfer im Breitensport nahmen teil, davon acht mit Pferd.
Die Verbindung beider Themen war sicherlich gut, denn so konnte man die neu gewonnen Kenntnisse aus der Anatomie gleich auf Beurteilung der Ritte am nächsten Tag anwenden, als die Disziplinen Trail, Horsemanship, Pleasure und Showmanship von den Teilnehmern geritten und gerichtet wurden, allerdings wurde damit der Theorie-Teil sehr umfangreich und das für uns alle so interessante Thema der funktionellen Anatamie konnte nicht in der Gründlichkeit und Tiefe behandelt werden, wie manche es sich gewünscht hätten.
Dabei zeigt Jörg Bös nicht nur auf, wie sich Fehler in der Ausbildung auf die Gänge und damit letztendlich auf die Gesundheit des Pferde auswirken, sondern gab auch Hilfestellung, wie sich diese Probleme vermeiden lassen. Ganz wichtig waren für Ihn dabei die „Ethischen Grundsätze des Pferdesports“: Das Ziel jeder Ausbildung ist die größtmögliche Harmonie zwischen Reiter und Pferd! Echte Harmonie ist nur mit einem losgelassenem Pferd erreichbar, ein deutlicher Hinweis auf zentrale Bedeutung der Losgelassenheit in der Pferdeausbildung. Zu seinen Grundsätzen beim Reiten gehören:
- Genullt auf das Pferd gehen. (Nichts vorraussetzen; keine neg. Emotionen)
- Ich habe Zeit.
- Mit wenig zufrieden sein. (Wenn das Pferd sich jeden Tag um 1 % verbessert, wäre es in hundert Tagen fertig in der Ausbildung.)
- Der denkende Reiter ist im Vorteil.
- Passiv ist aktiv.
- Jeden Tag die Ausbildungsskala beachten; sich immer kontrollieren.
- Die Lektion ist der Prüfstein, nicht das Ziel, und damit die Grundlage der nächsten Lektion.
- Dreh- und Angelpunkt allen Reitens ist das Becken des Reiters. Ziel: 80 % Sitz, 15 % Schenkel, 5 % Zügel.
- Jeder Reaktion des Pferdes geht eine Aktion des Reiters voraus.
Der Kurs war nicht nur inhaltlich sehr gut, vor allem beeindruckte mich das vehemente und überzeugende Eintreten von Jörg Bös für korrektes und pferdegerechtes Reiten. Dabei ging es ihm darum, eine Diskussion zur Art der heutigen Reiterei anzustoßen, denn zum Beispiel die „Rollkur“ ist nicht nur bei den klassischen Disziplinen (Dressur, Springen), sondern auch in der Westernreiterei ein Thema, dem sich dieser Sport bislang dadurch entzogen hat, dass man negative Berichterstattungen vermeiden möchte und daher vieles ungesagt blieb. Dass sich die Sportreiterei in allen Sparten immer mehr von der Kreatur wegbewegt, ist in seinen Augen eine Tatsache, die nicht zu übersehen ist und wir alle, vor allem Ausbilder und Prüfer, sind aufgefordert, daran etwas zu ändern. So lange nur das höher, schneller, weiter im Sport eine Rolle spielt, wird pferdegerechtes und anatomisch korrektes Reiten immer unwichtiger und entsprechend nachlässig von Ausbildern und Richtern behandelt. Gerade als angehende Prüfer im Breitensport rief uns Jörg Bös dazu auf, Zivilcourage zu zeigen und gutes und pferdefreundliches Reiten mehr zu honorieren, als ein Pferd, das zwar die Aufgabe erfüllt, jedoch durch verspannte, gebundene und taktgestörte Gänge zeigt, dass es nicht gemäß seiner Anatomie ausgebildet wurde.
Birgit Büchner